SEXISMUS, BECHDEL-TEST UND ROLLENKLISCHEES – BRAUCHEN WIR EIN FEMINISTISCHES MUSIKTHEATER?

Sonntag, 11.04

16:00 – 17:30

Rollenklischees – brauchen wir ein feministisches Musiktheater

mit: Maren Schäfer 

Gäste: Deborah Maier, Verena Tönjes, Kerstin Steeb, Vanessa Chartrand-Rodrigue

Der Bechdel-Test, drei einfache Fragen um Stereotypisierungen weiblicher Figuren in Spielfilmen wahrzunehmen und zu beurteilen: Gibt es mindestens zwei Frauenrollen? Sprechen sie miteinander? Unterhalten sie sich über etwas anderes als einen Mann?

Zahlreiche Werke, die Jahr um Jahr ihren Weg auf die Opernbühnen dieser Welt finden, würden diesen Test wohl nicht bestehen. Doch wie sollen wir praktisch umgehen mit einem Repertoire, das antiquierte und problematische Frauenbilder aus mehreren Jahrhunderten, von Männern geschrieben und komponiert, immer weiter reproduziert? Wie können junge Theatermacher:innen sich – konfrontiert mit diesem Standardrepertoire – einen Raum schaffen, in dem moderne Frauen – und Rollenbilder, sowie weibliche Sichtweisen konkret verhandelt werden? Benötigen wir vielleicht eine „feministische Revolution des Opernrepertoires“?

Hier kommt ihr zu unserer Veranstaltung: zoomwebinar

Maren Schäfer studierte nach einer Kindheit und Jugend im Theater Operngesang in Darmstadt, Berlin und Düsseldorf. Danach arbeitete sie sowohl als Sängerin (u.a. Komische Oper Berlin, Deutsche Oper am Rhein, Theater Krefeld und Mönchengladbach) als auch als freischaffende Regieassistentin. Nach einem festen Engagement im Opernchor des Meininger Staatstheaters, wechselte sie in der Spielzeit 2018/19 als Regieassistentin ans Nationaltheater Mannheim.

(Foto: Maren Schäfer)

Sie arbeitete mit renommierten Regisseuren wie Calixto Bieito, Anna Viebrock, Philipp Stölzl u.a. und präsentierte im Herbst 2020 mit Rossinis »Il barbiere di Siviglia« eine von der Kritik hochgelobte Debütinszenierung. Maren Schäfer engagiert sich im Vorstand des assistierenden-netzwerks und setzt sich für eine Erneuerung des Theaterbetriebs von innen heraus ein, hin zu flacheren Machtstrukturen und fairen und sicheren Arbeitsbedingen. Ihr künstlerisches Interesse gilt einem Musiktheater, welches gesellschaftsrelevante Fragestellungen auch in neunen und experimentellen Formen verhandelt.

Deborah Maier, Dramaturgin, studierte Theaterwissenschaft und Philosophie in München und Berlin.

Nach Dramaturgieassistenzen an der Staatsoper Unter den Linden sowie an der Bayerischen Staatsoper arbeitete sie als Operndramaturgin am Theater St. Gallen und am Staatstheater Karlsruhe sowie aktuell am Nationaltheater Mannheim. Als Kernteammitglied des dramaturgie-netzwerks engagiert sie sich für Gleichberechtigung, faire Arbeitsstrukturen und kulturpolitische Erneuerungen am Stadttheater. 

(Foto: Nationaltheater Mannheim/H. J. Michel)

Kerstin Steeb, Regisseurin, schlägt in ihren Arbeiten immer wieder Brücken zwischen den Sparten Oper, Schauspiel und Tanz. Sie studierte Musiktheater-Regie an der HfMT Hamburg. Die strenge Form von Oper dekonstruiert sie oft durch eigene Bearbeitungen und Fassungen und deckt damit eine Direktheit im Spiel und eine aktuelle Brisanz in der Thematik auf. Sie inszeniert/e Oper an verschiedenen Häusern (Staatsoper Hamburg, Theater Pforzheim, Theater Hagen, Theater Lüneburg) und experimentierte mit außergewöhnlichen Orten und Formen im Kultursommer am Kanal im Herzogtum Lauenburg (Kanu-Wander-Theater mit 100 Beteiligten) sowie über das Thalia Theater und das Kulturagentenprogramm an verschiedenen Schulen Hamburgs. Indem Kerstin Steeb historische Stoffe konsequent auf aktuelle Gesellschaftskritik bezieht, sichert sie einen Bezug über die Emotionalität von Musik hinaus und erweitert den Publikumskreis für die Oper.

(Foto: Heike Blenk)

Das Ringen um gendersensibles Verhalten war von Beginn an prägend für ihre Arbeiten und verfestigt sich insbesondere in ihren freien Projekten, indem sie z.B. der verkannten weiblichen Komponistin Ethel Smyth auf den Spielplan verhilft. Dafür hat Kerstin Steeb ein weibliches Kernteam zusammengestellt, das im Bereich Oper immer noch geradezu ausnahmslos ist und zeigt am Lichthof Theater Hamburg 2021 bereits ihr zweites freies Projekt. 

Vanessa Chartrand-Rodrigue, Dirigentin, Komponistin, Mezzosopran, studierte Gesang und Viola da Gamba in Montreal und Düsseldorf. Geprägt von diesem reichen musikalischen Background umfasst ihre Arbeit als Dirigentin sowohl Symphonische Kompositionen und Oper, zeitgenössische sowie Barockwerke. Vielfältige musikalische Kollaborationen führten sie zu namenhaften Ensembles und Festivals (Ensemble UnitedBerlin, Zafrann Ensemble, Mosaik Ensemble, Chroma Ensemble, Phoenix16, Michaelis Consort, MärzMusik, MIKROMUSIK Festival für experimentelle Musik und Klangkunst, ULTRASCHALL Festival, Documenta 14, Ruhrfestspielhaus Recklinghausen, Duisburger Akzente .u.a.), sowie als musikalische Assistentin von Vladimir Jurowski an das Royal Opera House London und zum Berliner Rundfunk Symphonie Orchester. Eine regelmäßige Zusammenarbeit verbindet sie zudem als Komponistin, musikalische Leiterin und Performerin mit dem Theater Ensemble kainkollektiv (Georg Tabori Nachwuchsförderpreis 2015), der Beggar’s Opera Berlin, dem Barock Ensemble The Dansant und sie dirigierte Opernaufführungen für die Alltagsoper Berlin, Opera On Tap Berlin und Lyric Opera Berlin. 

Ihre Leidenschaft für das faszinierende und vernachlässigte Repertoire weiblicher Komponistinnen bewegte Vanessa zur Gründung des OpusXX Orchestra, dem sie auch als musikalische Leiterin vorsteht. Dieses Orchester widmet sich in seinen neuen und innovativen Programmen der (Wieder-) Entdeckung weiblicher Musik durch die Jahrhunderte.

(Foto: Susanne Johansson)

Verena Tönjes ist Mezzosopranistin und seit dieser Spielzeit Ensemblemitglied im Staatstheater Mainz.

(Foto: Jeremy Knowles)

Bevor sie ihre Gesangslaufbahn begann, studierte sie in Köln Musik und Spanisch auf Lehramt und widmete sich in dieser Zeit besonders der Musikwissenschaft und der Postkolonialen Theorie. In ihrer Examensarbeit mit dem Titel „Carmen als racialized other“ untersuchte sie die Repräsentationsstrategien von Carmen anhand dreier Verfilmungen der Oper. Die Auseinandersetzung mit Othering, mit sexistischen und rassistischen Zuschreibungen als Ausdruck bestehender Machtverhältnisse, ist seither auch Teil ihres Berufslebens als Sängerin.